Zu Recht schwimmender Garten des Atlantiks genannt, lädt Madeira immer wieder dazu ein, Neues zu entdecken. Als Hauptinsel eines durch Vulkanismus entstandenen portugiesischen Archipels ist sie ein Juwel für jede Reise nach Portugal.
Sie erhebt sich stolz, nur wenige hundert Kilometer vor der Küste Marokkos. Für uns, Reisende und Planer von Wanderreisen bei Grand Angle, ist Madeira weit mehr als ein einfaches Reiseziel: Die Insel vereint spektakuläre Landschaften, in denen die Berge steil zum Meer abfallen.
Was uns hier fasziniert, ist die einzigartige Mischung aus europäischem Finisterre und subtropischer Milde. Das zerklüftete Land bietet Wanderern ein völlig neues Landschaftserlebnis und ein Gefühl von Weite – und das nur wenige Flugstunden von Deutschland entfernt.
- Madeira: eine Insel voller Kontraste
- Üppige Natur: ein botanischer Garten unter freiem Himmel
- Auf den Wanderwegen Madeiras
- Kultur und Gastronomie: die portugiesische Seele der Tropen
- Unsere Tipps für Ihre Wanderreise auf Madeira
Madeira: die Garteninsel, auf der das Wandern an erster Stelle steht

Wanderung am Pico Ruivo © François Ribard
Die Insel ist von einem ausgeprägten Gebirgscharakter geprägt. Würde eine imaginäre Hand ihre Gipfel einebnen, wäre ihre Fläche leicht größer als die zweier französischer Départements. Ihre tatsächlichen Ausmaße sind jedoch überschaubar: 57 Kilometer Länge und 23 Kilometer Breite. Diese besondere Geografie sorgt für eine erstaunliche Vielfalt an Mikroklimata. So ist die Halbinsel São Lourenço im Osten nahezu wüstenartig bewachsen und den Wellen ausgesetzt; hier fallen jährlich weniger als 400 Millimeter Regen. Nur zwanzig Kilometer weiter erhält die Nordküste mehr als 1100 Millimeter Niederschlag, und die Gipfel reichen bis auf 3 m. So gedeiht eine üppige Vegetation. Der portugiesische Einfluss ist überall spürbar: von der warmherzigen Sprache bis zur Kolonialarchitektur, die die Dörfer prägt.
Üppige Natur: ein botanischer Garten unter freiem Himmel
Es ist kein Zufall, dass die ersten portugiesischen Seefahrer unter der Führung von João Gonçalves Zarco die Insel im Jahr 1420 Madeira („Holz“) tauften. Abgesehen von ihrer trockenen Ostspitze ist die Insel von einem dichten Pflanzenteppich bedeckt. Die Schönheit ihrer Wälder steht ihrer Vielfalt in nichts nach. Besonders gefällt mir der Übergang von den Zuckerrohr- und Bananenplantagen in den tieferen Lagen zu den duftenden Eukalyptuswäldern in rund 700 m Höhe.

Im Eukalyptuswald © François Ribard
Die Laurisilva: Urwald und UNESCO-Schatz
Noch weiter oben dringt man in die Laurisilva vor, einen außergewöhnlichen Überrest jener feuchten subtropischen Waldlandschaft, die einst große Teile Europas bedeckte. Die Laurisilva auf Madeira gehört zum UNESCO-Welterbe und ist die größte ihrer Art weltweit. Sie ist seit 90 % ein Urwald und beherbergt ein einzigartiges Ökosystem mit zahlreichen Pflanzen und Tieren, darunter endemische Arten wie die Madeira-Taubenhalsfelde. Ein Spaziergang durch den Wald ist eine Reise in die Vergangenheit, zwischen holzigen Düften und den Glöckchen des Maiglöckchenbaums, einer von vielen heimischen Lorbeerarten.

Blüten des Maiglöckchenbaums © François Ribard
Ein Blütenfestival das ganze Jahr über
Was wurde nicht schon über die Blütenpracht der Insel gesagt? Im Frühling und Sommer ist sie eine wahre Augenweide. Die Wege säumen Madeira-Natternköpfe, Schmucklilien, blaue Hortensien und Bougainvilleen. Die emblematische Paradiesvogelblume wächst in den Gärten ebenso mühelos wie bei uns der Löwenzahn. Diese Üppigkeit brachte der Insel den Beinamen „schwimmender Garten“ ein, den Winston Churchill, einer ihrer berühmtesten Besucher, prägte. Für ein umfassendes Naturerlebnis ist der Besuch des Botanischen Gartens oberhalb von Funchal eine wunderbare Ergänzung zu Ihren Wanderungen.

Paradiesvogelblume © François Ribard
Auf den Wanderwegen Madeiras
Doch erst beim Wandern gibt Madeira all seine Geheimnisse preis. Die Insel ist ein Paradies für Wanderer und ein beliebtes Ziel für einen Trek in Portugal. Sie bietet unglaublich vielfältige Routen zwischen jahrhundertealten Bewässerungskanälen und spektakulären Vulkankämmen.
Die Levadas, ein jahrhundertealtes Bewässerungsnetz
Wie könnte man sich dem Zauber der 2500 Kilometer Levadas entziehen, jener Kanäle, die seit Beginn der Kolonialisierung in die Berghänge gegraben wurden? Dieses ausgeklügelte System wurde angelegt, um das reichlich vorhandene Wasser der Nordseite zu den trockeneren landwirtschaftlichen Flächen im Süden zu leiten. Heute bieten die Wege entlang der Kanäle ein außergewöhnliches Wandergebiet. Unter dem Blätterdach der Lorbeerbäume zu wandern, umgeben von einer Fülle an Blüten und begleitet vom beruhigenden Plätschern des Wassers, ist ein einzigartiges Erlebnis. Einige Routen wie die Levada do Caldeirão Verde oder die zu den 25 Fontes sind zu unverzichtbaren Klassikern geworden. Unsere Reisen auf Madeira bieten viele dieser Spaziergänge am Wasser, die für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade geeignet sind und sich ideal für eine Familienreise nach Portugal eignen.

Levada do Norte mit Blick auf den Pico Grande © François Ribard
Die Gipfelbesteigung auf dem Dach der Insel
Für alle, die alpinere Landschaften und atemberaubende Ausblicke schätzen, sind die Kammwege, die veredas, ein Muss. Die Wanderung vom Pico do Arieiro (1818 m) zum Pico Ruivo, dem mit 1862 m höchsten Punkt der Insel, ist wohl die spektakulärste. Die anspruchsvolle Route schlängelt sich zwischen Basaltkegeln und Vulkanascheklippen hindurch und eröffnet unvergessliche Ausblicke auf das zerklüftete Relief der Insel. Wenn am Nachmittag Wolken aus dem Norden über die Gipfel ziehen, hat man oft das Gefühl, über einem Nebelmeer zu wandern. Es ist ein Zusammenspiel ockerfarbener und roter Nuancen, bei dem man sich angesichts der Weite des Ozeans unendlich klein fühlt.

Der Weg zum Pico Ruivo © François Ribard
Kultur und Gastronomie: die portugiesische Seele der Tropen
Madeira lässt sich auch über seine Aromen und seine Kultur entdecken. Die Hauptstadt Funchal, in deren weitläufigem, nach Süden ausgerichtetem Amphitheater fast die Hälfte der Bevölkerung lebt, ist ein reizvoller Zwischenstopp. Ich schlendere gern durch die Gassen mit ihren Pflastermustern (calçadas), entdecke den Rathausplatz und die Kathedrale Sé und lasse die Atmosphäre an der Uferpromenade auf mich wirken.

Thunfisch wird auf dem Fischmarkt von Funchal zerlegt © François Ribard

Kirche von Ribeira Brava © François Ribard
Die Aromen einer regionalen Küche
Die lokale Küche hat ganz eigene Spezialitäten hervorgebracht. Aus den Tiefen des Meeres stammt der Espada, ein schwarzer Fisch mit großen Augen, der häufig mit einheimischen Bananen zubereitet wird – eine überraschende und köstliche Kombination. Probieren Sie unbedingt auch Espetadas: üppige Rindfleischspieße, die auf einem Lorbeerzweig gegrillt werden, der dem Fleisch ein feines Aroma verleiht. Kosten Sie außerdem Bolo do Caco, ein rundes, flaches Brot, das auf einem heißen Stein gebacken und oft warm mit Knoblauchbutter serviert wird. Dazu gehört der Madeirawein, ein Likörwein mit komplexen Aromen. Für einen Aperitif mit lokalem Charakter probieren Sie Poncha, einen Cocktail aus Zuckerrohr-Rum (Aguardente), Zitronensaft und Honig. Ein Hauch Tropen!
Auf Madeira ist Wandern zwar die Königsdisziplin, doch das Land hält noch viele weitere Schätze bereit, die Sie aktiv entdecken können. Das portugiesische Festland ist ein ideales Ziel für Radreisen. Vielleicht träumen Sie von einer umfassenden Radreise in Portugal, möchten die wilde Küste mit dem Rad erkunden oder die sonnenverwöhnten Landschaften auf einer Radreise an der Algarve durchqueren.

Zerkleinern des Zuckerrohrs zur Herstellung von Rum in Porto da Cruz © François Ribard
Unsere Tipps für Ihre Wanderreise auf Madeira
Wann ist die beste Zeit zum Wandern auf Madeira?
Dank des subtropischen Klimas eignet sich Madeira das ganze Jahr über zum Wandern. Als ideale Reisezeit gilt jedoch oft der Frühling von April bis Juni. Dann steht die Insel in voller Blüte und die Temperaturen sind mild und angenehm. Auch der Herbst ist eine ausgezeichnete Jahreszeit: Die Farben sind wunderschön und es sind weniger Reisende unterwegs. Im Sommer ist es wärmer und trockener – ideal, wenn Sie auch baden möchten. Der Winter bleibt mild, ist jedoch feuchter, besonders in höheren Lagen.
Welche Ausrüstung sollten Sie einplanen?
Auf Madeira kommt es auf Vielseitigkeit an! Wegen der Mikroklimata können Sie an einem einzigen Tag mehrere Jahreszeiten erleben. Planen Sie ein Schichtsystem mit drei Lagen ein: ein atmungsaktives T-Shirt, eine Fleecejacke und eine wasser- und winddichte Jacke. Gute, möglichst wasserdichte Wanderschuhe sind unverzichtbar, denn die Wege können feucht sein. Denken Sie an einen Hut, eine Sonnenbrille und Sonnencreme. Eine Stirnlampe ist ebenfalls unerlässlich, denn auf manchen Levadas durchqueren Sie zahlreiche Tunnel.
Oft heißt es, eine Woche Wandern auf Madeira erleichtere die Seele für viele Monate. Genau das lieben wir an Madeira und möchten Sie es entdecken lassen. Jeder Weg, jedes Panorama und jede Begegnung verspricht unvergessliche Eindrücke. Damit Sie die passende Reise finden, entdecken Sie unsere Angebote für Trekking auf Madeira – ganz nach Wunsch als Individualreise in Portugal oder Gruppenreise in Portugal. Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich gern an unsere Experten. Sie teilen ihre Begeisterung für diese außergewöhnliche Insel gern mit Ihnen.
© Originalartikel von François Ribard.
Artikel geschrieben von
Reisen sind meine Leidenschaft, und ich liebe Slow Travel. Ich habe das Glück, meine Abenteuerlust in fesselnde Geschichten verwandeln zu können. Als Leiterin der Redaktion bei Grand Angle, einer auf Trekking und… Weiterlesen












